22.05.2009
Stellungnahme des Landeselternbeirat zum Umgang mit sog. Killerspielen/ Aufforderung zur Änderung des Gesetzes zum Schutze der Jugend in der ÖffentlichkeitMit großer Sorge sieht der Landeselternbeirat Baden-Württemberg die zunehmende Überflutung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen durch Gewaltausübung in realer aber vor allem in fiktiver Form. Der Landeselternbeirat geht davon aus, dass die Anwendung realer Gewalt einem Lernprozess folgt, der zuvor durch den ungehinderten und oft viele Stunden täglich stattfindenden Konsum von Gewalt verherrlichenden Computerspielen, Liedern, Videos und Fernsehfilmen angelegt wird. Mehr Gewalt an Schulen, mehr Unaufmerksamkeit im Unterricht, Reizüberflutung, die die Aufnahme von Lernstoff gar nicht mehr möglich macht, sind durch Studien festgestellten Folgen. Völlig unbegreiflich ist dem Landeselternbeirat aber, dass trotz dieser Erkenntnisse ungehemmt die Rundfunkanstalten, Elektronikverkaufsstellen und Plattenproduzenten ihre jugendgefährdenden Waren an öffentlich zugänglichen Verkaufsräumen feilbieten dürfen. Die Prüfanstalten zur Feststellung der Jugendgefährdung haben aus Sicht des Landeselternbeirats den Rahmen dessen, was für Kinder und Jugendliche zuträglich ist, in Richtung gerade noch erträglich bzw. weit darüber hinaus verschoben. Zunehmend wird seitens der Politik und der Bildungseinrichtungen gefordert, Eltern müssten hier stärker ihrem Erziehungsauftrag nachkommen und ihren Kindern den Konsum solcher Produkte verbieten. Es werden hierzu zahlreiche Elternkurse, Medienseminare etc. angeboten. Eltern sollen darüber aufgeklärt werden, was ihre Kinder und Jugendlichen an den Computerbildschirmen konsumieren und welche Auswirkungen dies auf die Entwicklung des Kindes hat. Hierzu stellt der Landeselternbeirat fest:
Ohne Mitwirkung der gesamten Gesellschaft als Erziehungsgemeinschaft in der konsensual die Werte des Grundgesetzes sowie das durch die Gesetze normierte Verhalten gelebt und verteidigt werden, können Eltern allein nicht länger erfolgreich erziehen. Die Gesellschaft fordert eine Erziehung zu Werten, die sie selber in weiten Teilen nicht (mehr) lebt. Eine solche Erziehung gegen die gesellschaftliche Entwicklung scheitert, weil hier Konflikte auf die Ebene Eltern-Kind verlagert werden, anstatt sie auf politischer und gesellschaftlicher Ebene zu lösen. Es ist naiv zu glauben, Eltern könnten etwas verbieten, was gesellschaftlich toleriert, erlaubt und beworben wird. Hier werden Eltern in die „Geisterfahrer-Ecke“ gedrängt, da ihre Forderungen an die Kinder scheinbar dem sozial-adäquaten Verhalten in der Gesellschaft widersprechen. Im Namen aller Erziehenden fordern wir Politik und Gesellschaft auf, endlich konsequent Maßnahmen zum Schutze von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt verherrlichenden Medien in jeglicher Form zu ergreifen und die Eltern in ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen. Der Landeselternbeirat fordert hierzu:
Nur wenn sich die Gesellschaft wieder darüber einig wird, wo die Koordinaten eines gesunden, gewaltfreien und werteorientierten Zusammenlebens liegen, werden Eltern ihrem Erziehungsauftrag wieder gerecht werden können. Bis dahin werden unvermeidlich Gewalt, Hass, Brutalität zunehmend das Regiment im Zusammenleben übernehmen, vorgelebt, aufgezeichnet und in das Kinderleben transportiert durch eine grenzenlose Medienindustrie und ein Wegducken der Politik sowie der Gesellschaft. |