DRUCKVERSION 25.11.2005

Schulzentrum - Reichlich Zuschüsse für die Erweiterung auf dem Höhnisch, aber doch noch einige »offene Flanken«

Erst das Essen, dann die Kunst

VON PHILIPP FÖRDER

GOMARINGEN/NEHREN/DUSSLINGEN. »Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral«, sagt Mackie Messer in Brechts »Dreigroschenoper«. Etwas freundlicher auf das Schulzentrum Steinlach-Wiesaz gewendet hieße es: Erst kommt das Essen, dann kommt die Kunst. Denn der Hunger der rund tausend Schüler von Realschule und Gymnasium hat das Raumprogramm für die gerade erst abgeschlossene Erweiterung des Schulzentrums bereits wieder über den Haufen geworfen.

Weil die Mensa sich mittlerweile so großer Beliebtheit erfreut und statt der kalkulierten 150 bis 200 Essen an manchen Tagen über 350 Mahlzeiten ausgegeben werden, ist die Cafeteria zu klein. Der benachbarte Raum, der eigentlich für künstlerische oder schauspielerische Aktivitäten im Rahmen der Ganztagsbetreuung vorgesehen war, wird längst von den hungrigen Schülern und Lehrern zum Essen genutzt.

»Ja mach nur einen Plan« heißt es in Brechts Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens, und eben diese musste Manfred Schmiderer in der jüngsten Sitzung des Gemeindeverwaltungsverbands Steinlach-Wiesaz eingestehen. »Das Mensa-Leben hat uns eingeholt. Der Raum ist gerammelt voll, da gibt es keinen Platz mehr«, räumte der Gomaringer Bürgermeister und Verbandsvorsitzende ein.

Kleinere Brötchen

Damit ist die Mensa laut Schmiderer eine von mehreren »offenen Flanken« im Haushalt des Verbands für das kommende Jahr. Im Dezember will er versuchen, mit dem Verein Treffpunkt Mensa die immer noch nicht geklärten Probleme mit der Küche aus der Welt zu schaffen. 5 000 Euro für zusätzliches Geschirr sind dabei nur ein Punkt. »Wir wollen das aber«, versprach Schmiderer, »in Anstand miteinander hinbringen.«

Für die Kunst muss das Gymnasium nun kleinere Brötchen im Musikraum oder in der Aula backen oder sich mit der Realschule arrangieren. »Synergien müssen wir nutzen, dazu sind wir ein Schulzentrum«, forderte der Vorsitzende. Die Realschule solle noch 11 500 Euro für Ausstattung erhalten, danach sei Schluss: »Wenn wir das über Kredite finanzieren müssen, ist klar, dass wir kein Wunschprogramm spielen können.«

Dazu kommen noch weitere offene Flanken. Das Dach der Sporthalle muss dringend saniert werden, Sportgeräte sind zu reparieren oder zu ersetzen, Wasserschäden sind an den Lichtkuppeln des Gymnasiums aufgetreten. »All dies ist noch nicht im Haushalt enthalten«, gab Schmiderer zu bedenken, bevor der Etat 2006 einstimmig gebilligt wurde.

»Glück gehabt«

Freuen kann sich der Verband dagegen über die Finanzierung der Erweiterung des Schulzentrums. Die war zunächst mit Kosten von 5,1 Millionen Euro und 2,5 Millionen Euro Zuschuss veranschlagt. Nach dem Programm der Bundesregierung zur Ganztagsbetreuung investierte der Verband rund sieben Millionen Euro, erhielt dafür aber 4,1 Millionen Euro Zuschuss.

»Mit 60 Prozent Zuschuss können wir zufrieden sein. Wir haben Glück gehabt«, erklärte der Dußlinger Bürgermeister Thomas Hölsch. »Eine feine Finanzierung«, fand Manfred Schmiderer. »jetzt haben wir eine Lösung, die richtig ist für die Zukunft der Schule.« (GEA)


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