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Interview
mit dem Vorstand des Treffpunkts Mensa im Schulzentrum Höhnisch e. V.
Die
Mensa im Schulzentrum Steinlach-Wiesaz ist seit einem guten Jahr in
Betrieb. Der Gemeindeverwaltungsverband Steinlach-Wiesaz ist als Schulträger
Besitzer der Schulkantine. Betrieben wird diese jedoch von zahlreichen
ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Diese Personen haben sich in
einem eingetragenen Verein dem „Treffpunkt Mensa im Schulzentrum Höhnisch
e. V.“ organisiert. Wir möchten den Leserinnen und Lesern mit einem
Interview näher bringen, was und wer hinter diesem Verein steht.
Gemeindeverwaltung:
Der Vorstand des Vereins „Treffpunkt Mensa im Schulzentrum Höhnisch
e.V.“ besteht aus 7 Mitgliedern, stellvertretend für diese 7 darf ich
Frau Susanne Göltenboth-Leutert, Frau Petra Fritsche und Frau Elisabeth
Schaper recht herzlich an ihrer Wirkungsstätte in der Mensa begrüßen.
Meine Damen, wenn Sie sich unseren Leserinnen und Lesern bitte kurz
vorstellen könnten.
Frau
Göltenboth-Leutert:
Ich bin Vorsitzende des Vereins, wohne in Nehren und derzeit besucht
noch eines meiner 5 Kinder das Schulzentrum Steinlach-Wiesaz.
Frau
Fritsche:
Ich bin stv. Vorsitzende, wohne in Dußlingen und alle meine 3 Kinder
besuchen die Schulen auf dem Höhnisch.
Frau
Schaper:
Ich bin ebenfalls stv. Vorsitzende und seit 2001 Mitglied im Verein und
wohne in Gomaringen. Eines meiner beiden Kinder besucht das
Schulzentrum.
Gemeindeverwaltung:
Wann und wo wurde der Verein gegründet?
Frau
Göltenboth-Leutert:
Die ersten Ideen für ein solches Angebot im Schulzentrum stammen aus
dem Herbst 1999. Im Februar 2001 erfolgte dann eine erste Besprechung
mit interessierten Personen. Am 18.04.2002 fand erstmals ein
Vesperverkauf statt, der zweimal pro Woche im Wechsel an der Realschule
und dem Gymnasium angeboten wurde. Hintergrund war damals, dem Schulträger
darzulegen, dass eine ausreichende Organisation für eine „Rundum –
Mittagsbetreuung“ gegeben ist; außerdem wollten wir bei Eltern und
Schülern bekannt werden. Dadurch wurden fast 60 Mitglieder aktiv. Am
28.02.2002 wurde der Verein mit einer Satzung formell gegründet, die
Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Tübingen erfolgte am
23.07.2002.
Gemeindeverwaltung:
Was waren damals Ihre Beweggründe für die Vereinsgründung neben dem
Angebot ein warmes Mittagessen zu servieren?
Frau
Göltenboth-Leutert:
Wir wollten ein kommunikatives Zentrum in der Schule schaffen für eine
gute Schulatmosphäre. Insbesondere die Verbindung zwischen den beiden
Schulen war uns ein großes Anliegen. Eines unserer Ziele war immer,
dass Kinder und Eltern von der Realschule und vom Gymnasium das
Schulzentrum als eine Gesamtheit sehen.
Frau
Schaper:
Ergänzend hierzu war und ist auch die Betreuung, die Aufsicht und vor
allem die Erziehung der Kinder und Jugendlichen in der Mittagsstunde ein
Beweggrund.
Gemeindeverwaltung:
Seit wann ist die neue Küche voll im Einsatz?
Frau
Schaper:
Am 16.04.2004 wurde die Küche fest eingebaut, die Inbetriebnahme
erfolgte im November 2004.
Gemeindeverwaltung:
Wie viele Mitglieder haben Sie derzeit?
Frau
Fritsche:
Aktuell sind es 116 aktive Mitglieder und ebenso viele Kuchenspender.
Gemeindeverwaltung:
Wie sind die Aufgaben im Verein verteilt bzw. wie sind sie organisiert?
Frau
Fritsche:
Neben dem siebenköpfigen Vorstand sind zwei Personen zuständig für
die Einteilung der Kochgruppen, eine Kollegin führt das
Betriebstagebuch, zwei weitere sind für den Einkauf zuständig, drei
Mitglieder koordinieren die Speisepläne, zwei weitere fungieren als
Kassenprüfer und einer organisiert die Gesundheitsschulungen. Auch
Schulungen zur Unfallverhütung bzw. Ersten Hilfe werden jeweils von
einer zuständigen Person organisiert. Eine Kollegin ist für die
Abwicklung der Versicherungsgeschäfte verantwortlich, ein Mitglied
organisiert die Mitgliederverwaltung, die Presse- und Werbungsarbeit ist
auf fünf weitere Mitglieder verteilt. Herzstück unseres Vereins sind
natürlich die zwölf Kochgruppen mit ihren Kuchenspendern.
Gemeindeverwaltung:
Welche Vorbereitungen mussten Sie vor, während und nach der Vereinsgründung
durchführen, um einen funktionierenden Mensabetrieb zu gewährleisten?
Frau
Schaper:
Wir haben andere Mensen besichtigt, insbesondere in Neckartenzlingen
haben wir sehr viel Unterstützung erhalten und auch einige Probekochen
in Anspruch nehmen können. Die dortige Mensa hat uns sehr als Vorbild
gedient. Neben der Mitgliederwerbung war auch Überzeugungsarbeit beim
Gemeindeverwaltungsverband erforderlich sowie verschiedene Besprechungen
mit dem Architekten, dem WKD, dem Sozialministerium Baden-Württemberg,
einem Rechtsanwalt und Steuerberater bezüglich der Gründung des
Vereins und natürlich eine Koordinierung mit den Schulleitern und den
Lieferanten. Auch mussten wir über Versicherungen gewährleisten, dass
wir den Personenschutz, unser Inventar und die vielen Schlüssel
versichert haben. Unerlässlich für einen funktionierenden Mensabetrieb
sind eine gute Organisationsstruktur des Vereins und die Verteilung der
Aufgaben auf viele Schultern.
Gemeindeverwaltung:
An welchen Wochentagen findet eine Essensausgabe statt, wie viele Menüs
werden ausgegeben und wie viele Essen pro Tag gehen über den Tisch?
Frau
Schaper:
Eine Essensausgabe findet immer montags, dienstags und donnerstags
statt. Sofern wir weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer finden, möchten
wir auch gern immer mittwochs ein Essen anbieten.
Frau
Göltenboth-Leutert:
Die Anzahl der Essen variiert je nach Wochentag. Dienstags werden
erfahrungsgemäß am meisten Essen in Anspruch genommen, es sind bis zu
350 Stück. An den beiden anderen Tagen liegt der Durchschnitt so
zwischen 250 und 300 Essen pro Tag. Ursprünglich sind die Planungen von
150 Menüs ausgegangen, die Statistik des Sozialministeriums Baden-Württemberg
geht von 10 % der Schüler aus, welche ein solches Angebot annehmen.
Dies trifft im Schulzentrum Steinlach-Wiesaz definitiv nicht zu, hier
nehmen weitaus mehr Schülerinnen und Schüler das Angebot in Anspruch.
Frau
Fritsche:
Der Menüplan besteht aus verschiedenen Bausteinen. Neben dem
Hauptessen, welches auch in vegetarischer Form angeboten wird, enthält
das Sortiment immer kleine und große Suppen, kleine und große Salate
sowie verschiedene Nachtische, leckere Kuchen, Mineralwasser und
Apfelschorle.
Gemeindeverwaltung:
Müssen die Menüs vorbestellt werden oder wie kalkulieren Sie?
Frau
Schaper:
Oberstes Gebot für uns ist, dass kein Kind hungrig die Mensa verlassen
soll. Deswegen ist auch keine Vorbestellung erforderlich, auch (so
genannte) Essensmarken werden nicht ausgegeben. Wir möchten den Schülerinnen
und Schülern ein sehr flexibles Angebot liefern. Da nach jedem
Arbeitstag eine exakte Auflistung aller verkauften Menüs erfolgt, können
wir aufgrund der Erfahrungswerte recht genau planen. In der „Hauptstoßzeit“
nehmen sehr viele Schülerinnen und Schüler unser Angebot in Anspruch.
Da vielen jedoch nur eine Stunde Mittagspause zur Verfügung steht,
bevor der Nachmittagsunterricht beginnt, kommt es hier leider hin und
wieder zu Engpässen, in der Form, dass nicht alle Kinder in dieser
Stunde ein Essen erhalten können. Dies bedauern wir sehr, in enger
Absprache mit den Stundenplanern der beiden Schulen bemühen sich alle
Seiten dies so gut wie möglich zu verhindern.
Gemeindeverwaltung:
Wer entscheidet eigentlich was konkret gekocht wird?
Frau
Fritsche:
Unsere 116 aktiven ehrenamtlichen Mitglieder sind auf 12 Kochgruppen
aufgeteilt. Hiervon gibt es jeweils 4 Montags-, 4 Dienstags- und 4
Donnerstags-Gruppen. Dadurch ist gewährleistet, dass jede Gruppe pro
Monat nur an einem Tag eingesetzt wird. Diese Kochgruppen reichen
Rezeptvorschläge bei den 3 für die Speisepläne zuständigen Damen
ein. Diese sammeln und teilen die Vorschläge in sinnvolle Menüpläne
ein, so dass eine abwechslungsreiche Ernährung gegeben ist.
Gemeindeverwaltung:
Wie ist der Einkauf der Waren organisiert, stellt dies ein größeres
logistisches Problem bei 12 Kochgruppen und 300 bis 350 Essen pro Tag
dar?
Frau
Göltenboth-Leutert:
Auch hier erfolgt jeweils durch die verschiedenen Kochgruppen eine
Meldung an die beiden Kolleginnen die für den Einkauf zuständig sind.
Diese kaufen rechtzeitig die erforderlichen Waren ein, welche dann
direkt an das Schulzentrum geliefert werden. Frischfleisch kommt immer
im Wechsel von den lokalen Metzgereien.
Gemeindeverwaltung:
Wer spült eigentlich ab und räumt nach dem Essen die Küche auf?
Frau
Schaper:
Die Schülerinnen und Schüler müssen hier aktiv mithelfen. Jeder trägt
sein Tablett selbst zurück, leert die die übrigen Speisereste in einen
Eimer und sortiert das einzelne Geschirr auf dem Abräumwagen. In enger
Zusammenarbeit mit der Schülermitverwaltung werden hier auch ältere
Schüler als Aufsichtsperson eingesetzt. Das Abspülen, Aufräumen und
Reinigen der Küche übernehmen die Kochgruppen selber.
Gemeindeverwaltung:
Wie gewährleisten Sie es, dass der Arbeitsablauf so reibungslos und
problemlos vollzogen werden kann?
Frau
Göltenboth-Leutert:
Der Vorstand trifft sich einmal pro Monat zur Besprechung, die 12
Kochgruppenleiter treffen sich regelmäßig ca. alle 6 Wochen zum
Erfahrungsaustausch. Ein Tagebuch gewährleistet, dass festgehalten
wird, wer aus dem Kochteam verantwortlich war, welche Anzahl an Artikeln
umgesetzt wurden, ob die Geräte wie Kühlschrank, Gefrierschrank,
Warmhaltebecken und Wärmeschrank richtig funktionieren. Des Weiteren
muss im Tagebuch der Wareneingang, ein möglicher Schädlingsbefall
sowie Zusatzreinigung und Müllbeseitigung dokumentiert werden.
Beispielhaft hierfür sei genannt, dass die Speisereste einer speziellen
Entsorgung bedürfen, denn diese dürfen weder dem Restmüll noch dem
Biomüll zugeführt werden. Des Weiteren liegt jeder Kochgruppe ein
Organisationsablaufplan vor, in welchem detailliert aufgeführt ist, was
vor und nach der Essenausgabe alles zu erfolgen hat.
Gemeindeverwaltung:
Nehmen auch Lehrer Ihr Angebot in Anspruch?
Frau
Fritsche:
Ca. ein Viertel des Lehrerkollegiums kommt regelmäßig und gern zu uns
in die Mensa. Hierdurch ist auch eine starke Verbesserung des
Eltern-Lehrer-Verhältnisses festzustellen. Man lernt hier auch die
private Seite der Lehrer kennen. Die Lehrer bezahlen die gleichen Preise
wie die Schülerinnen und Schüler, sehr oft erhalten wir von ihnen auch
Spenden. Als Dankeschön für unsere Arbeit hier in der Mensa des
Schulzentrums sind wir von den Lehrerinnen und Lehrern der
Sybilla-Merian-Realschule und des Karl-von-Frisch-Gymnasiums zum Essen
eingeladen worden.
Gemeindeverwaltung:
Das klingt alles sehr interessant, jedoch sicherlich auch sehr
kostspielig. Wie finanzieren Sie das alles?
Frau
Göltenboth-Leutert:
Ausnahmslos alle unsere Mitglieder sind ehrenamtlich tätig. Einige der
116 Aktiven sind an ihren Einsatztagen von 7.00 Uhr oder 8.00 Uhr
morgens bis abends 16.00 Uhr oder 17.00 Uhr im Einsatz. Wir hoffen sehr,
dass wir unsere bisherigen Preise, ein Hauptessen kostet 1,50 €, eine
kleine Suppe 0,40 €, eine große Suppe mit einer Scheibe Brot 1,00
€, ein kleiner Salat 0,30 € und ein großer Salat mit einem Stück
Brot 1,50 € auch weiterhin halten können. Großen Dank und
Anerkennung verdienen auch unsere 116 aktiven Kuchenspender. Dieser
Baustein im Menüangebot ist im Einkauf kostenlos und wir können hier
Einnahmen erzielen, um so den Warenbestand wieder aufzufüllen.
Gemeindeverwaltung:
Wie war und ist die Zusammenarbeit mit dem Schulträger, dem
Gemeindeverwaltungsverband Steinlach-Wiesaz?
Frau
Göltenboth-Leutert:
Der Verband hat sehr viel Geld in die Küche investiert, wofür wir uns
sehr freuen. Wir sind für die Sicherheit unserer Mitglieder
verantwortlich. Als unabhängiger Verein müssen wir uns leider hin und
wieder gegenüber dem Verband für unser Handeln rechtfertigen. Wir
hoffen auch weiterhin auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit mit
dem Verband.
Frau
Schaper:
Es gibt noch einige ausstehende Arbeiten wie z. B. die Abdunklung der
Oberlichter, Kühlung des Vorratsraumes und die Montage der
Fliegengitter in der Küche, welche unbedingt vollzogen werden müssen.
Gemeindeverwaltung:
Suchen Sie noch weitere Mitglieder und Helfer?
Frau
Schaper:
Ja unbedingt! Wir wären sehr froh, wenn sich noch mehr Personen bei uns
engagieren würden. Wir haben sehr flexible Einsatzzeiten, niemand muss
zu einer festen Uhrzeit erscheinen oder bis zu einem bestimmten
Arbeitsablauf bleiben. Durch unsere Gruppeneinteilung ist gewährleistet,
dass jedes Mitglied nur an einem Tag im Monat zum Kochdienst erscheinen
muss. Bei uns herrscht in allen Teams viel Spaß, Stress kommt bei uns
so gut wie nie vor. Wir frühstücken morgens gemeinsam im Team und bei
uns kann jeder mitmachen auch wenn er keinen Bezug zur Schule hat und über
keine Erfahrungen im Kochbereich verfügt. Vom Verein wird jedem eine
Schürze und eine Mütze zur Verfügung gestellt. Des Weiteren können
alle Familienangehörigen umsonst mit essen, jeder Helfer darf auch für
Familienangehörige Essen einpacken und mit nach Hause nehmen. Ganz
besonders würden wir uns freuen, wenn auch ältere Mitbürgerinnen und
Mitbürger sich in unserem Verein engagieren würden. Ich kann allen
Interessierten versichern, bei uns ist noch niemand aus Unmut weg
gegangen.
Herzlichen
Dank an die 3 Damen für das interessante, angenehme Interview und alles
Gute für die tolle ehrenamtliche Tätigkeit die der „Treffpunkt Mensa
im Schulzentrum Höhnisch e. V.“ für unsere Schülerinnen und Schüler
ausführt.
Das
Interview führte Herr Dorn von der Gemeindeverwaltung.
http://www.dusslingen.de/
DußlingerGemeindebote
vom 1.2.2006
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