Motel für EinzelgängerWildbienen-Projekt an der Realschule stößt auf überregionales InteresseDUSSLINGEN (gor). Rust, Bietigheim- Bissingen und demnächst München - Biologielehrer Meinrad Lohmüller kommt mit seinen Schülern ganz schön herum. Das Projekt Wildbienenschutz an der Realschule Steinlach-Wiesaz heimst Auszeichnungen und Einladungen zur Präsentation gleich serienweise ein.
Zwischen der Realschule und der benachbarten Sporthalle hat Lohmüller mit seinen Schülern ein Refugium für eine ganze Reihe von Wildbienen-Arten geschaffen. Zwei überdachte Wildbienenhäuser bieten den Einzelgängern jede Menge Röhren und Löcher unterschiedlichen Durchmessers als Unterschlupf an. In einem Stein sind die Bohrungen so angebracht, dass sie gleich den Sinn des Ganzen erkennen lassen: Das Lochmuster ergibt das Wort „Motel". Zuletzt wurde eine professionell gestaltete Informationstafel fertig. Weil das Areal auch außerhalb der Schulzeiten jederzeit zugänglich ist, bekommt Lohmüller nun auch häufig -Anfragen zur Arbeit der Projektgruppe von Leuten, die eher zufällig beim Besuch der Sporthalle auf die Bienen aufmerksam wurden. Vom Nehrener Obst- und Gartenbauverein, von Tübinger Schulen und vom Nabu Pfullingen waren schon Besuchergruppen vor Ort. Aber auch die Fachwelt hat vom regen Treiben auf dem Höhnisch Wind bekommen. Bei den „Science Days" in Rust war die Präsentationsgruppe des Projekts ebenso vor Ort wie beim Landes-Schülerkongress oder auch bei einer Fortbildungsveranstaltung für Lehrer in Reutlingen. Demnächst bekommt die Gruppe einen Preis des Naturfonds der Zwiefalter Brauerei verliehen. Der kommt gerade recht, denn damit kann die Reise in die Bavaria Filmstudios bezuschusst werden, wohin die Schüler ebenfalls aufgrund ihres Engagements eingeladen wurden. Mit der Besiedlung der Bienenhäuser, die durch einen hohen „Insektenstamm" ergänzt werden, gab es laut Lohmüller keine Probleme. „Der Siedlungsdruck ist ziemlich hoch", meint er. Fast 500 verschiedene Wildbienenarten und Einsiedlerwespen gibt es bei uns, von winzigen zwei Millimetern bis zu stattlichen drei Zentimetern groß. Selbst gegrabene Röhren in der Erde, hohle Pflanzenstängel oder sogar Burgen aus Mörtel dienen als Behausungen. Die meisten Arten bilden anders als die domestizierte Honigbiene keine Völker, sondern leben als Einzelgänger. Deshalb ist auch die Nähe zu den Unterrichtsräumen kein Problem: Weil sie keine großen Nahrungsvorräte verteidigen müssen, haben viele Arten überhaupt keine oder nur völlig harmlose Stachel. Das momentan noch recht knappe Futterangebot rund um die Schule möchte Lohmüller durch die Anlage eines blühenden Staudengartens bei Gelegenheit verbessern. Er setzt aber auch auf die Anwohner im nahen Neubaugebiet. Würden in den neu angelegten Gärten Blumenwiesen gesät oder blühende heimische Sträucher gepflanzt, hätten die Bienen jede Menge Futter.
Sich damit ungebetene Gäste zum Kaffeetisch auf der Terrasse zu locken, braucht niemand zu befürchten. „Diese Tiere beteiligen sich nicht an Ihrem Marmeladebrot oder Ihrem Kuchen", versichert Lohmüller. |