Aus den Stuttgarter Nachrichten vom Dienstag, den 4. März 2003

Von wilden Jungs und wilden Bienen

Nisthilfen für gefährdete Insekten: Realschüler stellen im Rosensteinmuseum aus

Gut gebohrt: Schüler schaffen Platz für wilde Bienen
Waagrechte Bohrlöcher in Holz und Ziegel oder kleine Schilfröhrchen dienen vielen Arten von Wildbienen als Nistplatz. An einem sonnigen und regengeschützten Platz aufgehängt werden solche Nisthilfen von den stachellosen Insekten gerne angenommen. Foto: Thomas Hörner

Im Land der Häuslesbauer gehören Pascal, Marcel, Michael, Thiemo und Kevin wohl zu den eifrigsten. Ihr Engagement gilt der Wohnbauförderung für wilde Bienen. Im Schloss Rosenstein stellen die 14-jährigen Realschüler bis zum 16. März die Probleme der gefährdeten Tiere dar. Zudem geben sie Tipps für den Bau von Nisthilfen.

VON KLAUS EICHMÜLLER

Nach Ferienvergnügen und Unterhaltungsprogramm schaut das nicht aus, was sich am Rosenmontag in der Säulenhalle des Naturkundemuseums im Schloss Rosenstein abspielt. Fünf Schüler bauen mit ihrem Lehrer eine Ausstellung auf. Tische werden gerückt, Schautafeln geschleppt, Kartons gestapelt. Bienenfleißig. Dabei sind doch Ferien. Marcel kann bei diesem Einwand nur grinsen. „Wir machen das gern“, versichert er und schielt nicht einmal nach dem Lehrer, „wir genießen das richtig."

Bereits am vergangenen Freitag hatten eine Hand voll Schüler der Realschule Steinlach-Wiesaz bei Dusslingen für die Ausstellung in Stuttgart sogar ihren Wintersporttag sausen lassen. Statt Eislaufen stand das Verladen der 24 Stellwände auf dem Programm. Malochen statt Winterspaß. Wie schafft man es, Schüler an einem solchen Tag, ja sogar in der Ferien zum Mitmachen zu motivieren? Man müsse den Jungen ein „Angebot der sinnvollen Freizeitbeschäftigung" machen, sagt Meinrad Lohmüller, der Lehrer. Doch reicht dieser hehre pädagogische Ansatz als Erklärung für ein Phänomen, das Lohmüller so beschreibt: „Nicht die angepassten Schüler sind am eifrigsten dabei, sondern die Schlitzohren." Wilde Jungs entdecken ihr Herz für wilde Bienen.

Im Sommer 2000 startete das Projekt Wildbienen als Teil des Biologieunterrichts. In der Schule wurde ein Insektenbiotop angelegt, ein „Hotel zur wilden Biene" gebaut. Zwei Jahre später ist der Kreis der Insekten-Aktivisten zwar geschrumpft, etliche der Schüler sind aber immer noch eifrig bei der Sache. „Alle drei Wochen treffen wir uns am Samstag in der Werkstatt“, sagt Pascal. Nach dem Fußball in der D-Jugend werden Nisthilfen gebaut.

Das geht wie am Fließband. Einer der Schüler sägt schmale Brettchen zurecht, ein anderen schraubt diese zu viereckigen Rahmen zusammen. In dieses Gehäuse werden dann gleichlange Stückchen Hohlraum liegt neben dem nächsten. Darin werden, so wissen es die Schüler aus eigenen Experimenten, die Wildbienen ihre Eier und den Pollen für die Brut legen. „Von den etwa 450 Arten sind sehr viele gefährdet“ sagt Michael.

Das Projekt hat inzwischen bundesweit Anerkennung gefunden. So gingen Umweltpreise des Kultusministeriums und der Heinz-Sielmann-Stif-tung nach Dusslingen. m Die Wildbienen-Ausstellung wird durch Vorträge und Workshops ergänzt. An den beiden kommenden Wochenenden (samstags 15 bis 17 Uhr, sonntags 11.30 bis 17 Uhr) leiten die Schüler große und kleine Besucher beim Bau von Nisthilfen an. Jeweils um 15 Uhr erklärt Meinrad Lohmüller in einem Vortrag, wie man die nützlichen Insekten fördern kann.