Laudatio bei der Verleihung des Heinz-Sielmann-Preises

Realschule Steinlach-Wiesaz

„Heimliche Untermieter - Wir schützen und fördern Insekten“

Ortstermin 09.09.2002

Teilnehmer:  Herr Lohmüller, Biologielehrer 
Schüler und Schülerinnen der Klasse 7 
Regionale Presse 
Prof. Dr. Hans Köpp, Vorsitzender der Jury Heinz Sielmann Schulpreis 2002

Etwa 10 Kilometer südlich von Tübingen liegt das Schulzentrum - einst auf der grünen Wiese erbaut; demnächst umgeben von weiterer erwünschter und vielleicht auch unerwünschter Entwicklung -, zu dem auch die Realschule gehört. Erster Schultag nach den langen Sommerferien; entsprechend emsig ist das Leben überall. Biologielehrer Lohmüller und Rektor Schäfer begrüßen die Gäste, und man kommt wirklich schnell zur Sache.

Was die Klasse 7c da eingereicht hat widerlegt sogar die Äußerung Bernhard Grzimeks, der wiederholt gesagt hat, daß die Verbindung des Menschen mit der Natur vor allem über die Tiere und hier insbesondere die Vogelwelt erfolgt und viel weniger über die Pflanzen, dass man sich rasch mit den "lieben" Singvögeln - vor allem im Winter -, hingegen kaum mit den gar nicht geliebten Insekten verbindet, man denke nur an Mücken und Wespen im Sommer oder an Spinnen im Haus und Hof!
Unsere Dußlinger Schüler und Schülerinnen haben sich gerade der Insekten angenommen, genauer den Wildbienen, der Florfliege und dem Ohrwurm. Und sie sind mit allem nur denkbaren Eifer dabei. Die selbst gebauten "Insekten-Hotels", in denen die heimlichen Gäste weder für Übernachtung noch Frühstück bezahlen, sind fast professionell.

Für Besucher an Wochenenden stehen erklärende Tafeln daneben und tatsächlich ist die Auslastungsquote weit höher als bei durchschnittlichen Hotels für unsere Art. Die Demonstrationen durch die Schülerinnen und Schüler über ihre eigenen Arbeiten überzeugten voll und ganz. Neben der umfangreichen Dokumentation des eingereichten Projektes hat jeder der 25 Schülerinnen und Schüler eine eigenen Mappe erstellt und konkrete Beispiele von Insektenhoteis daheim bei sich, d.h. Insektenschutz allüberall in und um Dußlingen.

Eine dazugehörige CD und ein vervielfältigtes Faltblatt zur Anleitung der Herstellung entsprechender Nist- und Bruthilfen findet weite Verbreitung und lassen auch Außenstehende teilhaben nach dem Motto: zur Nachahmung empfohlen!
Das Engagement der Schüler und Schülerinnen widerlegt gängige Klischee,
widerlegt selbst Aussagen der EU-Pisa-Studie. Die Jugendlichen und ihr
Lehrer nutzen nicht nur ihren Biologie-Unterricht, sie wirken für den
Naturschutz in ihrer Freizeit an Wochenenden - zusätzlicher Einsatz für die
Natur mit Leib und Seele! Dieses Wirken steckt an, ein willkommenes Virus für
die Natur!
Und schließlich hat die Schule eine Ausstellung im Rahmen ihres Projektes für
die Öffentlichkeit erstellt, nach dem Motto: "Tue Gutes und rede darüber". Man
darf sicher sein, dass der Naturschutz-Virus viele Besucher angesteckt hat.

Es trifft sich gut, dass der Lehrer der Klasse über die Schule hinaus in der Lehrerfortbildung im regionalen Bereich tätig ist - eine höchst erwünschte Breitenwirkung findet das Naturschutzengagement dadurch. Letztlich sollten die Brutröhren der Insekten, bisher in der Praxis weitgehend als Plastikröhren bekannt, beim Bundespatentamt angemeldet werden, so wie sie die Dußlinger Schule entwickelt hat. Junge Menschen erleben die Metamorphose von Tieren vom Ei über die Larve/Puppe bis hin zum "fertigen" Insekt, jenes Wunder der Natur, sie erweitern ihr Wissen, widerlegen überkommene Klischee und bewundern die Vielfalt des Lebens, träumen vielleicht sogar davon. Folgen wir ihnen und lassen auch wir uns faszinieren von unserer lebendigen Umwelt.

Das Projekt der Schule ist hiermit nicht beendet, im Gegenteil, man nimmt sich nunmehr der Hummeln an und der Welt der Hummeln, was brauchen sie, welche Rolle kommt ihnen zu, was bedroht und gefährdet sie und was können wir für sie tun.
Der Preis ist gut angelegt; und wir alle gratulieren dazu.