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Aus dem Schwäbischen Tagblatt vom 31.01.2004 Download als pdf-Datei
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Eine Schülerkapelle führte die Festgäste mit mittelalterlicher Musik durch die neue, verbindende Cafeteria von der Realschule in das Gymnasium auf dem Höhnisch. Gestern wurde das neue Schulzentrum offiziell übergeben. Bild: Franke |
Viel Platz zum Lernen und Essen
Mit einem Verbindungsbau wurden Realschule und Gymnasium auf dem Höhnisch zum Schulzentrum
Von Sabine Lohr
DUSSLINGEN. Bisher gab es auf dem Höhnisch, der Anhöhe zwischen Dußlingen, Gomaringen und Nehren, zwei Schulen: Das Karl-von- Frisch- Gymnasium und die Realschule Steinlach-Wiesaz. Seit gestern sind die beiden zu einem Schulzentrum verbunden. Mit neuen Klassenzimmern und einer großzügigen Cafeteria wurde ein Verbindungsbau geschaffen, der Wanderklassen überflüssig und eine Ganztagsbetreuung möglich macht. Fröhlich wurde die Verbindung gefeiert.
Die Realschule kam zuerst: 1982 war der Neubau fertig, zwei Jahre später schon strebten 370 Schüler aus den drei Verbandsgemeinden auf dem Höhnisch den Realschulab-schluss an. Das einzige Gymnasium im Steinlachtal war damals das Quenstedt-Gymnasium. Und das bereitete dem damaligen Ober-schulamtspräsidenten Walter Mäck gehörige Sorgen: Mit 1100 Schülern in teilweise sechszügigen Klassenstufen war es das größte unter den 67 öffentlichen Gymnasien in seinem Oberschulamtsbezirk.
Die Idee, der Gemeindeverwaltungsverband könnte auf dem Höhnisch ein zweites Gymnasium bauen, soll bei einem Wahlkampfbesuch von Gerhard Mayer-Vorfelder, 1990 noch baden-württembergischer Kultusminister, nach Mitternacht in einer Kneipe entstanden sein und stieß sowohl in den drei Gemeinden als auch beim Oberschulamt auf ungeteilte Zustimmung. Ein Jahr später logierten vier Gymnasiallehrer mit ihren 40 Schülern als Gast in der Realschule, dann ging's an den Neubau, der 1995 bezogen wurde.
Er war eigentlich von Anfang an zu klein. Und die Prognosen sagten, dass das bisher zweizügige Gymnasium im Schuljahr 2004/05 drei fünfte Klassen haben werde. 1996 schon wandten sich die Schulen an den Verband mit der Bitte um einen Erweiterungsbau. „Nicht nur die Schülerzahlen hatten zugenommen, sondern auch der Unterricht hatte sich geändert", begründete Gymnasiums-Rektor Heinz Weigold gestern den Antrag.
Unter der Auflage, Fachräume und die Cafeteria gemeinsam zu nutzen, willigte das Oberschulamt 1999 dem Antrag zu. Damals besuchten 361 Schüler die Realschule, 534 das Gymnasium. Das Gymnasium musste damit in allen Klassenstufen dreizügig geführt werden, die Realschule in zwei von sechs Klassenstufen. Ausgelegt aber waren beide Bauten nur auf Zweizügigkeit.
Mit dem gestern übergebenen Erweiterungsbau hat das Gymnasium nun sechs neue Klassenzimmer, vier zusätzliche Fachräume und eine Cafeteria bekommen, die Realschule drei Fachräume, ein Computerzimmer, einen Aufenthaltsraum und ein Büro. Gekostet hat der Neubau über fünf Millionen Euro.
Mit Beginn des neuen Schuljahres zogen die Realschüler in ihren Anbau, das Gymnasium und die Mensa sollten bis Weihnachten fertig sein. Doch der Bau verzögerte sich, obwohl den Handwerkern, wie Architekt Volker Simon sagte, „sehr viel zugemutet" worden sei. Sogar in der Nacht auf Freitag sei noch geschafft worden. Vor allem das Wetter - im Sommer erst Hitze, dann starker Regen - war an der Verzögerung schuld.
Die Cafeteria, die von beiden Gebäuden aus zugänglich ist, wird in Zukunft eine Elterninitiative betreiben, die, so Fritz Gugel vom Tübinger Oberschulamt, „singulär in der Region" sei. Mit Mittagessen und einem nachmittäglichen Betreuungsangebot werden Realschule und Gymnasium zu Ganztagsschulen, finanziell gefördert vom Land. Was der Elterninitiative eine große Küche bescherte, in der sie ausgiebig kochen kann.
Der Erweiterungsbau setzt die blauen Waben des Gymnasiums fort. Die Achtecke greifen nun an den Realschul-Quader, die verschiedenen Baukörper wurden durch die Farbgebung verbunden - kühles Blau fürs Gymnasium, freundliches Gelb für die Realschule, dazwischen Grün. Viel Glas sorgt für Helligkeit und den schönen Blick weit nach draußen auf Wiesen, Felder und die Dörfer drumherum. Im Frühling werden noch ein Gewächshaus, ein Klassenzimmer im Grünen und eine Kletterwand gebaut..
Diese neuen Baustellen werden den Tagesablauf in der Schule aber nicht mehr so behindern wie bisher. Die SMV-Vertreterinnen Miriam Ott und Annika Pflugbeil von der Realschule und Verena Knödler und Linda Noppel vom Gymnasium zeigten dem Festpublikum, darunter die Bundestagsabgeordnete Herta Däubler-Gmelin und Landrat Joachim Walter, einige Bilder von der überstandenen Enge: Der Aufenthaltsraum und ein Lehrerbüro, die zu Klassenzimmern umfunktioniert wurden, ein Lehrer, der mit seinem Laptop in der Besenkammer arbeitet, und ein Schüler, der nur noch auf einem Tisch Platz fand. Flehend hebt er ein Pappschild hoch: „Hilfe, ich bin ein Schüler, holt mich hier raus".