Aus dem Schwäbischen Tagblatt vom 30.07.2003

„Wir müssen vorwärts schauen“

Gestern reiste die Gomaringer Familie Avdijaj in den Kosovo aus

GOMARINGEN (slo). Schon am Montagabend stand der voll gepackte Lastwagen vor dem Haus der Familie Avdijaj in Gomaringen. Gestern am frühen Nachmittag reisten Isen und Dzevahire Avidjaj mit ihren drei Kindern aus Deutschland aus. Es war ein trauriger Abschied.

Isen Avdijaj zeigt seiner Frau Dzevahire, Tochter Elvira und Peter Wolf vom Unterstützerkreis die Zollpapiere. Gestern reiste die Familie aus in Richtung Kosovo.                  Bild: Franke

Es hätte nichts mehr reingepasst in den Lastwagen - er war voll gestopft mit dem Hausrat der Familie Avdijaj und den zahlreichen Spenden von Unterstützern. In den vergangenen zwei Wochen kam so ziemlich alles zusammen, was der fünfköpfigen Familie den Start in ihr neues Leben im Kosovo erleichtern wird. Vor allem Geld: Über 21000 Euro kann der Unterstützerkreis nun in den Kosovo überweisen. Das reicht für das kleine Rohbauhaus und es reicht sogar noch für die ersten Monate zum Überleben. Für die Spendenbereitschaft und die Unterstützung hatte sich die Familie mit einem Brief bedankt, in dem es heißt: „Trauern nützt jetzt nichts, wir müssen stark sein und vorwärts schauen."

Am Montagabend verabschiedeten sich die Freunde der Familie mit einem kleinen Grillfest von Isen, Dzevahire, Elvira, Edwin und Elvir Avdijaj. Die 14-jährige Elvira war sogar recht gelöst: „Die Packerei und dass es jetzt losgeht, ist besser als noch zu warten", sagte sie.

Am Vormittag hatte sie zusammen mit Barbara Weingand ihre pflegebedürftige Großmutter zum Flughafen gebracht - die Reise mit dem Auto wäre für die alte Frau zu anstrengend gewesen. Gestern dann hieß es auch für den Rest der Familie Abschied zu nehmen. Und der war traurig. Elvira konnte sich kaum von ihren Freundinnen lösen, Isen Avdijaj war in Tränen aufgelöst, die beiden Jungs gaben sich tapfer und Mutter Dzevahire schluckte in einem fort. Als Prustemaj Blerim, der aus dem Rheinland angereist war, um seinen Verwandten zu helfen, mit dem Lastwagen losfuhr, startete auch Isen Avdijaj sein vollbepacktes Auto. Und die rund 20 Helfer, Freunde und Unterstützer winkten ihnen nach, bis das Auto nicht mehr zu sehen war. 

INFO Ein SWR-Team filmte die letzten Tage der Familie Avdijaj in Gomaringen. Der Beitrag mit dem Titel „Eine „freiwillige Abschiebung“  ist heute Abend in der Landesschau um 18.45